OPULENTE FIGUREN
Publikations-Seminar Sommersemester 2011 ff, HfbK Hamburg

Erarbeiten einer künstlerischen Publikation zu Strategien des Sammelns und Montierens von Bild-und Textmaterialien

Mit Beiträgen von:
Sonja Andrykowski / Eva Birkenstock / Katharina von Dolffs / Gerrit Frohne-Brinkmann / Daiga Grantina / Rosa Joly / Max Jorge Hinderer Cruz / Claudia Koch / Pia Mathea Leine / Christine Lemke / Hanne Loreck / Katrin Mayer / Ulrike Müller / Henrik Olesen / Nicolas Osorno / Ulrike Paul / Ida Roscher / Wiebke Schwarzhans / Stefanie Seibold / Marjeta Seme / Paul Sochacki

http://material-verlag.hfbk-hamburg.de/katalog/440?p=3296
?p=18789/

Layout: Tilman Schlevogt / Studio Taube
Hrsg: Katrin Mayer
Auflage 500 Stk.
Material 328, edition HFBK 36
lose Blattsammlung
A4 / A3 / A2, 164 Seiten, Offsetdruck, vierfarbig und s/w, ineinandergefaltet als Formulierung eines Ablaufs, umstellbar

Publikations-Release // Filmprogramm // Musik
am Freitag, 22.2.2013, ab 21 Uhr
Golem-Club, Große Elbstr. 14, Hamburg
http://golem.kr/?p=3296
?p=18789/

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aufbauend auf:

Eva Birkenstock und Katrin Mayer

„Opulente Figuren“

Lehrauftrag an der HfbK Hamburg im Bereich Gender Studies, Sommersemester 2010

Welche Kriterien greifen beim Sammeln, beim Montieren und beim dadurch entstehenden (Raum-) Bild? Wovon grenzt man sich ab, welche Bildränder werden bespielt oder gesprengt und mit welchen Begriffen wird insbesondere in Bezug zu gesellschaftlichen und geschlechtlichen Prämissen operiert?

Ausgehend von historischen Referenzen wie El Lissitzky, Diego Rivera, Andre Malreaux oder Marcel Duchamp werden im Rahmen des Blockseminars „Opulente Figuren“ künstlerische Formate - an den Schnittstellen zwischen praktischen und theoretischen Ansätzen - als Ausweitungszonen untersucht. Den Fokus bilden dabei insbesondere solche Positionen, die gegenderte Formate entwickeln, Formate quer bespielen oder durch ihre Form sexualisierte Lesarten anregen, um sie hinsichtlich ihres jeweiligen Bezuges zu Begriffen von Geschlechter-Politizität hin zu befragen.

Während Henrik Olesen's Installation "Some Gay-Lesbian Artists and / or Artists relevant to Homo-Social Culture I-VII" in Anlehnung an Aby Warburgs "Mnemosyne-Atlas" aus Kopien von Meisterwerken der Kunstgeschichte Gesten und Themen zusammenführt, die gewissermaßen als Pathosformeln einer verdrängten Geschichte homosexueller Inhalte in der Kunst gelesen werden können, verstand Anna Oppermann ihre "Ensembles" als Interaktionsangebote, als methodische, prozessorientierte Arrangements aus Fundstücken, Zeichnungen, Fotografien, Objekten und Bildleinwänden, die zwischen den verschiedenen Disziplinen, zwischen Ratio und sinnlicher Wahrnehmung, zwischen Kunst und Wissenschaft vermitteln. Der Regisseur Jack Smith wiederum, der in seinen Undergroundfilmen die Ränder des Filmbildes zu sprengen scheint, vermengt Körper mit Mustern, Stoffen und Farben zu überbordenden Filmtableauxs, deren Körper wie auch Bilder ge-queerte Strukturen und Verhältnisse reflektierten und hervorbrachten.

Die im Verlauf des Seminars verhandelten Themenfelder sollen zudem mit den jeweils eigenen künstlerischen Sammel- und Display- Strategien der Teilnehmerinnen selbst in Verbindung gebracht werden. Ziel könnte sein, im Rahmen des Seminars eine eigene Sammlung als Untersuchungsgegenstand zu entwickeln, eine Auswahl in Hinblick auf persönliche und / oder politische Kriterien zu treffen, um schließlich ein
Printformat zu entwickeln, welches sich zwischen Zeitung und Poster bewegt und zur Jahresausstellung publiziert wird.

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Am 4. / 5. Juni waren Stefanie Seibold, Christine Lemke und Max Hinderer eingeladen, die Fragestellungen im Rahmen eines Vortrags mit ihrer jeweils eigenen Praxis in Bezug zu bringen.
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-- Christine Lemke

"In die verschwindenden Details nach sich ziehender Blicke" - über Anna Oppermanns spezifischen Umgang mit Bildern/Bildmaterial in ihrer Ensemblekunst

Christine Lemke ist Künstlerin und Autorin und lebt in Berlin. Sie publizierte Essays, Katalogbeiträge und Rezensionen u. a. in Kunst-blog.com, Texte zur Kunst, Andere Sinema. Ihre Textsammlung How they met themselves erschien 2007 bei Editions Lebeer Hossmann, Brüssel. Kürzlich veröffentlichte sie das Hörstück Loop auf Vinyl (Le musée imaginaire 1, Doris Lasch/Ursula Ponn & Willem Oorebeek) bei brokensilence und Revolver Publishing. In Kooperation mit Kerstin Stoll arbeitet sie zur Zeit an einer Sammlung für künstlerische Bild-Forschung, die demnächst unter www.scura.org einsehbar sein wird.

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-- Stefanie Seibold über ihre Poster-Arbeit A READER - a visual archive, 2006

Stefanie Seibold ist Künstlerin und lebt in Wien. Sie arbeitet mit Performance, Installation, Archiven und Video. Ihre Arbeiten waren bisher u.a. im de Appel, Amsterdam, Museum Moderner Kunst, Wien, MuhKa, Antwerpen, der Akademie der Künste, Berlin und im Salzburger Kunstverein zu sehen. Sie hat zudem diverse Ausstellungen über Performance realisiert und ein Buch Performance in Wien seit den 1960er Jahren (zusammen mit Carola Dertnig) herausgegeben.

More info : www.clevergretel.com

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-- PERFORMANCE:

Christine Lemke und Stefanie Seibold

"Chrystal C. - don't copy me!"

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-- Max Jorge Hinderer
„I only seem fantastic because I'm so practical“ - Jack Smiths Leistung als Quotient aus verrichteter Arbeit, oder dafür aufgewendeter Energie und der dazu benötigten Zeit

In den Filmen und Performances des US-amerikanische Künstlers Jack Smith wimmelt es nicht nur von Verkleidungen, sondern auch von Zeiten, Geschichten und Längen, Gegenwart sammelt und stapelt sich. Smith war nicht nur ein großer Transformator, sondern auch ein ausgiebiger Verzeitlicher. Smith wollte keine fertigen Filme produzieren. Dass seine Filme nie hätten zuende sein wollen heißt auch, dass seine Produkte nie fertig wären. Was in dieser Aufhebung zur Debatte stand ist das Verhältnis von „time and performance“ hinsichtlich ihrer Produktivität. Aber welches Verhältnis besteht zwischen der multiplizierten Zeit und den multiplizierten Identitäten in Smiths Werk und der historischen Zeit? Ist sein Nachlass nicht etwa verhandelt worden? Und konnte verkauft werden? – Jack Smith hat es posthum in den letzten Jahren zu immer größerem Ruhm gebracht. Gestorben 1989, galt er bereits zu Lebzeiten als Schlüsselfigur des New Yorker Undergrounds. In den revisionistischen Kunstinstitutionen der 1990er galt er als Großvater der Performancekunst und in den letzten zwei Jahren ist immer häufiger von ihm als Gründervater der queeren Kunst zu lesen und zu hören gewesen. Die Frage danach, was Jack Smith eigentlich geleistet hat, ist die Frage danach, welche Erwartungen daran geknüpft worden sind, historisch und ökonomisch. Ein Ansatz dafür lässt sich eben im Umgang mit seinen hinterbliebenen Filmfragmenten finden.

Max Jorge Hinderer ist Autor und Kunstkritiker und lebt in Berlin